• 10. November 2016
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Monika in Neapel: Auszug aus einem ihrer Patenbriefe

Kinder aus Neapel

Monika aus Wien (Öster­reich) hat 16 Monate in Neapel (Ita­lien) gelebt. In diesem Brief berichtet sie von einigen Erfah­rungen.

Liebe Paten, Ver­wandte und Freunde!

"Der Bund, den der Geist Gottes zwi­schen einem der Kin­der­freunde und seinen zukünf­tigen Freunden her­stellt; ver­wirk­licht sich erst im Laufe der Zeit, in einer gemein­samen Geschichte; in der Fest­stel­lung, dass die Geschichte des anderen auch meine Gescheite ist, dass ich mit jedem Men­schen das Men­schen­schicksal teile und wir daher ein Leib sind, der Leib Christi." P. Thierry de Roucy

Diese Ein­lei­tungs­worte meines 4. Briefes an euch spie­geln meine Erfah­rung wieder, die ich beson­ders in letzter Zeit gemacht habe, beson­ders eine Geschichte, die wohl die tiefste Erfah­rung ist, die ich bis jetzt in der Mis­sion gemacht habe.

Die gemein­same Geschichte mit Antonio und Dora!

Im letzten Brief habe ich euch von der Her­z­ope­ra­tion Anto­nios und vom Leid Doras erzählt und, dass es sehr schlecht um Antonio steht. Vor ca. einem Monat ist er gestorben.

Die letzten Tage seines Lebens waren ein wahres Ringen mit dem Tod und eine schreck­liche Zeit für Dora, den jeden Tag schien die Hoff­nung nach Bes­se­rung geringer zu werden. Wir waren fast jeden Abend bei ihr, um ihr durch unsere Anwe­sen­heit ein wenig Trost zu spenden. An dem Tag, als sie im Kran­ken­haus die Nach­richt vom Arzt erhielt, dass Antonio noch am selben Tag sterben wird, waren wir bei ihr. Es war wirk­lich die Vor­se­hung Gottes, dass wir sie gerade an diesem Tag ins Kran­ken­haus begleitet haben. Eine solche Situa­tion habe ich noch nie zuvor erlebt. Gio­vanni und ich, die wir Dora erst ca. ein halbes Jahr kennen, waren am wohl schlimmsten Moment ihres Leben mit ihr. Es gab nichts zu sagen, nur unsere Gegen­wart, unser Sein, war in diesem Augen­blick gefragt. Ein Schmer­zens­schrei und sie stürzte sich in meine Arme und weinte und weinte.

Diese, unsere Anwe­sen­heit in ihrem tiefsten Leid hat uns ver­bunden, es ist eine tiefe Freund­schaft, ein Bund zwi­schen ihr und uns ent­standen, die in jedem Besuch spürbar ist.

Auch wenn es für mich oft schwierig ist sie jetzt zu besu­chen, weil ich nichts sagen kann, weil ich nichts tun kann, um ihr Leid zu lin­dern, Dora und ihre Geschichte ist ein Teil von meinem Leben geworden.

"Die anderen zu einem Teil meines Lebens werden zu lassen; das ist die wahr­hafte Nach­folge Christi." (Luigi Giussani)

Das Schicksal von Dora zu teilen hat mich wohl ganz in das Cha­risma von Punto Cuore geführt. Die Freund­schaft zu leben und in der Situa­tion des Schmerzes anwe­send zu sein, in der sich der andere völlig ver­lassen fühlt. Aber nicht nur diese Geschichte ist Teil meines Lebens geworden. Ich denke mitt­ler­weile konnte ich mich so gut ein­leben, dass ich sagen kann: „Dieses Viertel Sali­celle ist MEIN Viertel geworden, dass ich so sehr lieb gewonnen habe.“ Beson­ders jetzt, wo sich die Leute fast den ganzen Tag am Balkon befinden, oder sich in der Straße treffen, kann ich nicht durchs Viertel gehen, ohne einem Freund zu begegnen, ohne anzu­halten. Ein kurzes Gespräch mit Patrizia und Monica und schon schreit eine andere Nach­barin: „Ciao Monika, komm doch kurz hoch zu einem Kaffee!“ Und so wird ein Weg von 5 Minuten zum Super­markt zu einem halben Vor­mittag mit unseren Nach­barn. es ist immer wieder von neuem erstaun­lich, wie sehr die Leute nach unserer Anwe­sen­heit dursten und sei es auch nur ein kurzes Zusam­men­sein.

Eure Monika


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