• 10. November 2016
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[Leo in Peru] Ausschnitte aus dem 1. Patenbrief

Leo in der Küche in Peru, 2012

Liebe Paten,

hier kommt jetzt der erste Paten­brief und für mich die Gele­gen­heit Euch allen zu schreiben, dass ich vor ca. vier Wochen, am Freitag den 24.08.2012 im Aero­pu­erto Inter­nacional Jorge Chávez von Lima heile ange­kommen bin . Meine Mis­sion (begann) in einem relativ weit abge­le­genen Ort von Lima (Ñaña), mit Gemein­schaft­sex­er­zi­tien. Spe­ziell um diese Uhr­zeit war es ein hek­ti­scher Ver­kehr und in dem kleinen Motor­drei­rad­taxi das wir nahmen, durfte ich mein mit­tel­eu­ro­päi­sches Sicher­heits­be­wusst­sein erst einmal an die perua­ni­schen Ver­hält­nisse gewöhnen. Die Ver­kehrs­re­geln sind sehr ein­fach: Wer zuerst fährt hat Vor­fahrt. Wer am lau­testen hupt hat Recht.

Nach den Exer­zi­tien bin ich am Montag abend end­lich in meinem Viertel in echter spür­barer Armut, ohne meine eigenen Sachen (da mein Koffer ver­loren wurde), ohne meine eigene Sprache, ohne meine Familie und meine Freunde, mitten in der Fremde, in meiner Haus­ge­mein­schaft in der „Ense­nada del Chillón“ (Puente Piedra) ange­kommen. Einen Tag vor mir, am Don­nerstag, war Rachel (Bel­gien) eben­falls neu ein­ge­troffen, sodass ich in einer aus­ser­ge­wöhn­lich grossen Gemein­schaft (sieben) lebe: Rachel, Kari, Patrick, Erika (Argen­ti­nien), Sarah (USA), Sophie (Schweiz) und Leo aus Deutsch­land. Ab dem 9. Oktober werden wir sogar bis zum Abschied von Kari und Sophie zwi­schen­zeit­lich zu acht sein, da Aymeric aus Frank­reich kommt.

Für mich ist es richtig schön mit meiner Gemein­schaft zusam­men­zu­leben, auch wenn es nicht unbe­dingt immer ein­fach ist. Auch die Freund­schaften, Besuche und unsere Apo­sto­late gewinnen für mich immer mehr an Farbe und Bedeu­tung. Trotzdem ist es für mich jedesmal Über­win­dung mich nach dem Rosen­kranz nach­mit­tags auf den Weg zu den Besu­chen zu machen, einer­seits wegen der ständig agres­siven Hunde, von denen unser Viertel voll ist, ande­rer­seits weil die Besuche bedeuten, die Situa­tion der Freunde wirk­lich mit allem zu teilen. Es ist ein Sich Geben, und das kann ich richtig spüren. Beson­ders wenn ich in sehr armen Hütten in aller Unord­nung sitze ver­misse ich mein rei­ches Zuhause in Deutsch­land und wenn die Freunde ihre schreck­li­chen Lebens­ge­schichten erzählen, oder ihr ganzes Äus­seres von Armut und Unge­pflegt­heit zeugt, dann ver­misse ich die heile Welt, in der alle schön anzu­sehen sind, in Reichtum und Hygiene leben etc. und es ist eine echte Ent­schei­dung trotz allem mit diesen Men­schen in ihren Hütten Zeit zu ver­bringen, denn es bedeutet tat­säch­lich ihre Armut zu teilen. Der ein­zige Grund warum ich trotzdem glück­lich sein kann und jeden Tag genug Kraft bekomme für dieses ganze Leben, ist unser volles Gebets­pro­gramm, durch das Gott mich ebenso spürbar tröstet und stärkt. Wer Ohren hat zum hören, der höre und wers nicht glaubt solls aus­pro­bieren. (vgl. Offb 2,17)

Ich habe in dieser ersten Zeit richtig erfahren, was Jesus meinte mit: „Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Him­mel­reich.“ (Mt 5,3) Jeder Mensch hat in seinem Herzen ein ursprüng­li­ches Ver­langen nach Gott und der Gemein­schaft mit ihm, denn er ist „auf ihn hin geschaffen“ (Kol 1,16). Das „Manna“ das Gott den Bedürf­tigen gibt, ist nicht nur ein Ersatz für die Herzen, die sonst nicht satt werden können, son­dern es ist ungleich besser und ist die tat­säch­liche Fülle, das wonach jedes Herz eigent­lich sucht.

Im ersten Monat durfte ich diese Armut beson­ders erleben: Einer­seits durch die Armut, die wir ohnehin ver­su­chen zu leben (durch unser Haus, was wir ein­kaufen, was wir besitzen...), ande­rer­seits dadurch, dass ich ohne Eigentum (ausser ein paar Büchern) ange­kommen bin, durch meine Armut an Sprache, an Mög­lich­keit mich aus­zu­drücken, und dadurch, dass ich am Anfang krank war und viele Pro­bleme mit meiner All­ergie hatte. Gott hat mich in dieser Zeit sehr arm gemacht und hat mir so geschenkt, dass ich für seine Gnaden offen und von ihm abhängig sein darf.

Inzwi­schen habe ich ein gutes Nasen­spray für meine All­ergie, mein Cas­tel­lano ist schon so, dass ich auch die Peruaner zum grossen Teil ver­stehen kann, ich bin kern­ge­sund und mein Koffer ist (nach einem Monat) in Santa Cruz in Boli­vien wieder auf­ge­taucht und sie haben ihn mir auch schon zuge­schickt. Ich bin sehr sehr glück­lich dieses Leben mit Points-Coeur leben zu dürfen und danke Euch allen, die Ihr mir das durch Eure Spenden und durch Euer Gebet ermög­licht, auch das, was ich hier an Kultur, Sprache und Land­schaft (oder Stadt­schaft) erleben darf!

Viele Grüsse,

Euer Leo

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Die Gemeinschaft in September 2012 Bei Freunden zum Mittagessen eingeladen.
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