• 27. August 2013
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[Jeanne in Manila] Erste Eindrücke von den Philippinen

Jeanne G. in Manila, August 2013

Magan­dang araw (Guten Tag)!

sehr glück­lich und erfüllt von vielen Erfah­rung schreibe ich Euch diesen ersten Paten­brief eine Woche nach meiner Ankunft in dieser wun­der­samen Stadt Manila, in diesem wun­der­vollen Land Phil­ip­pinen.

So viel hat sich ver­än­dert, seit ich hier bin, soviel habe ich in diesen letzten sieben Tagen erlebt, so viele Men­schen ken­nen­ge­lernt, dass ich gar nicht weiss womit ich anfangen soll.

Schon im Flug­zeug von Abu Dhabi nach Manila durfte ich die beson­dere Men­ta­lität der Fili­pinos, die beson­dere Stim­mung der Phil­li­pinen spüren. Eine gelöste Stim­mung herrschte, es gab viele fröh­liche Gesichter, viele flogen nach Hause, um ihre Fami­lien zu besu­chen. Gerade in einigen ara­bi­schen Län­dern arbeiten oft Fili­pinos, um ihrer Familie Geld schi­cken zu können. Alle waren neu­gierig, was dieses hell­häu­tige Mäd­chen in Manila machen wird.

Und so kam ich mitten in der Nacht (mit sechs Stunden Zeit­ver­schei­bung) in Manila an, als eine Riesin zwi­schen all den kleinen, zier­li­chen Fili­pinos. Am Flug­hafen erwar­teten mich bereits Séve­rine und Rémi (Frank­reich), die beide auch in der Gemein­schaft leben. Zusammen machten wir uns auf den Weg, um mit einem Taxi in rasanter Fahrt durch die über­füllten Strassen, die in keinster Weise mit der deut­schen Stras­sen­ver­kehrs­ord­nung in Ein­klang zu bringen sind, zu meinem neuen Zuhause zu fahren, Tahanang Puso (Offenes Herz) in Navotas, Dagat Dagatan. Ein Slum, in dem viele Men­schen auf wenig Raum zusam­men­leben. In der Gemein­schaft war­teten bereits Mayte (Peru) und San­thosh (Indien), zwei wei­tere Frei­wil­lige, auf meine Ankunft. Joseph (Vietnam) lernte ich erst am nächsten Tag kennen, da er sich nach einer Blind­dar­m­ope­ra­tion noch an einem ruhi­geren Ort aus­ruhte. Die vier berei­teten mir einen sehr herz­li­chen Emp­fang. Kinder aus dem Viertel hatten vorher schon ein Will­kom­mens­plakat vor­be­reitet und ein Mäd­chen war so gespannt auf die neue Frei­wil­lige, dass sie eigent­lich die ganze Nacht da bleiben wollte.

Lohoban

Es ist ver­rückt zu sehen, wie sehr alle Nach­barn sich über die Ankunft eines neuen Frei­wil­ligen freuen, wie sehr man schon geliebt wird, bevor man über­haupt da ist. Unsere Nach­barn waren also alle sehr gespannt, wen sie am nächsten Tag im Tahanang Puso begrüssen konnten.

Und so begann gleich eine Woche voller Begeg­nungen. Beson­ders die Kinder waren immer sehr auf­ge­regt, wenn sie mich zum ersten Mal trafen und fragten: « What’s your name? Ang pan­galan mo? » So kommen um drei immer einige Nach­bars­kinder ins Haus, um zu spielen. Manchmal ist es ganz schön schwer sie im Zaum zu halten, aber alle sind eigent­lich unheim­lich nied­lich und freund­lich. Einige haben grossen Spass dabei meine win­zigen Tagalog­kennt­nisse zu erwei­tern. Sie zeigen auf Gegen­stände im Haus, Tisch, Gabel, Löffel, Glas, und sind unheim­lich stolz, wenn ich mir eines der Wörter merken kann.

Es ist sehr schön zu sehen, wie auf­merksam die Kinder mitein­ander umgehen, die Grös­seren mit den Klei­neren, die Geschwister unter­ein­ander. Justin (10) kommt oft mit seiner kleinen Schwester Milka (1,5) zu uns. Es ist unheim­lich schön zu sehen, wie gut Justin auf dieses kleine Mäd­chen achtet, wie er sie tröstet und auf sie Rück­sicht nimmt. Seine Eltern können sich nicht viel um die Kinder küm­mern, aber ich habe das Gefühl er sieht das Küm­mern um seine Schwester nicht als Last an, auch wenn es manchmal bestimmt sehr schwer sein kann, son­dern ist sehr glück­lich über die Prä­sens seiner Schwester.

Market 3

Market 3 ist ein anderes Elend­viertel, nicht sehr weit von unserem Viertel ent­fernt, das Rémi und ich am Don­nerstag besucht haben. Wir haben dort einige Freunde besucht, um mich ihnen vor­zu­stellen, unter anderem Ate Liza (Ate ist die höf­liche Anrede für eine Frau). Ate Liza ist schon lange mit Tahanang Puso befreundet. Sie wohnt mit ihrer Familie in einem win­zigen Stüb­chen aus Sperr­holz und Pappe. Es war sehr schön mit ihr zusammen zu sein.

Sie ist äus­serst auf­merksam und sehr lieb und offen. Mit meinem biss­chen Tagalog, Eng­lisch und Händen und Füssen, schafften wir es irgendwie uns zu ver­stän­digen. Eine ihrer Töchter, Erika, war auch gerade da. Ganz stolz hat ihre Mutter uns Erikas gute Klas­sen­ar­beiten gezeigt. Das ist etwas wun­der­bares hier, die meisten Kinder können zu min­des­tens ein paar Stunden zur Schule gehen, da diese kos­tenlos ist. Ein Teil der Kinder geht vor­mit­tags, ein Teil nach­mit­tags, da es ein­fach wahn­sinnig viele Kinder gibt. Es ist keine Sel­ten­heit Fami­lien mit 8 Kin­dern und mehr zu besu­chen. Daher ist überall immer viel Trubel, tags­über und auch nachts. Es sind immer Kinder auf den Strassen, Erwach­sene, wei­nende Babys, Hunde und Katzen. So spielten wir auch nach unseren Besu­chen mit ein paar Kin­dern von Market 3 Ball.

Es ist berüh­rend zu sehen, wie ent­zückt die Kinder bei so einem Spiel sein können. Einige kleine waren ein­fach nur da und haben zuge­schaut, die Freude der anderen genossen, aber alle waren gemeinsam Feuer und Flamme, ver­folgten mit den Augen den Ball.

Vitas, Smoky Mountain

Ein anderes Apo­stolat, ein anderer Ort den wir besu­chen, ist Smoky Moun­tain. Es han­delt sich um die Müll­de­ponie von Manila, auf und neben der ein Slum enstanden ist. Die Men­schen leben hier wort­wört­lich im Müll, ein Freund dort erzählte uns, dass der Müll die Erd­ober­fläche in den letzten Jahren um 20 Meter anwachsen liess. Auf dem Müll sind kleine Hütten gezim­mert. In solch einer Hütte wohnt Ate Sally. Als wir zu ihr kamen, war ihre Gesicht voll Blut. Ihr Mann hatte, nach Alko­hol­konsum, in einem Streit ihren Kopf gegen den Boden gestossen. Der Schock war ihr noch voll­kommen ins Gesicht geschrieben. Wir blieben einige Zeit bei ihr, boten an mit ihr ins Kran­ken­haus zu fahren, aber sie wollte lieber bei ihrer Familie bleiben. Die Familie ist hier unheim­lich wichtig, sie ist neben dem Glauben eine der grössten Stützen und Sicher­heiten für die Men­schen. Also sind wir ein­fach bei ihr geblieben und haben sie gtröstet, ihre Wunde mit Eis gekühlt und mit ihren Enkeln gespielt. Gerade die kleinsten suchten oft sehr viel Auf­merk­sam­keit, stürzten sich gera­de­wegs auf meinen Schoss oder klet­terten auf mir herum. Einige Kinder in Smoky Moun­tain sind sehr wild, ringen viel mitein­ander.

Am Tag darauf sind wir noch einmal zu Ate Sally gefahren Wir haben ihr ein biss­chen Medizin mit­ge­bracht, um ihre Wunde zu ver­sorgen. Es ging ihr schon ein biss­chen besser und sie hat sich über unsere Für­sorge gefreut. Dieses Mal konnte ich auch noch einmal mit einer recht jungen Frau spre­chen. So habe ich beim zweiten Mal meine Block­flöte mit­ge­bracht, um mit ihr zu spielen. Sie war sehr glück­lich ein­fach nur ein biss­chen hin­ein­pusten zu können und ein paar Töne zu lernen. Ein älterer Mann kam zu uns und lieh sich einen kurzen Moment die Flöte. Er hüpfte wie ein kleines Kind voll Freude herum, spielte ein paar Tönen und Triller, seine eigene kleine Melodie. Die Freude stand ihm ins Gesicht geschrieben, er hopste und scherzte. Nach ein paar Sekunden hatten er uns schon alle zum Lachen gebracht, so ein­fach seine Lebens­freude mit uns geteilt.

San Lorenzo

San Lorenzo ist die Gemeinde in der wir hier jeden Tag zur Messe gehen. Ich habe selten so schöne Mess­feiern erlebt , wie in der kurzen Zeit hier auf den Phil­li­pinen. Auch wenn ich fast nichts ver­stehen kann, da alles auf Tagalog ist, ist es fan­tas­tisch zu sehen mit wie viel Freude die Fili­pinos die Messe feiern. Am Mitt­woch singt immer ein kleiner Chor in der Abend­messe. Am letzten Mitt­woch war meine erste Messe hier und ich war so gerührt über die ganze Freude und Hoff­nung, die in der Kirche herrschte, ich war so gerührt, berührt von der Kol­lekte, berührt von der Tiefe des Glau­bens, dass ich wäh­rend der Messe weinen musste. Nicole, ein kleines Nach­bars­mäd­chen, war mit­ge­kommen und beim Frie­dens­gruss gab sie mir des­halb ein Küss­chen auf die Wange, um mich zu trösten.

Diesen Sonntag war nach der Messe eine Seg­nung mit Weih­wasser. Die Kirche, die ziem­lich gross ist, war voll besetzt. Für die Seg­nung strömten alle Men­schen nach vorne und streckten freudig ihre Hände in den Himmel. Der Priester spritzte das Weih­wasser aus einer Plas­tiks­fla­sche auf die Menge und alle jauchzten beglückt, wenn sie einen Tropfen abbe­kamen. Für die Men­schen hier ist der Glaube etwas durch und durch natür­li­ches, er gehört ein­fach zum Leben dazu und ist überall prä­sent. Kinder möchten mit in die Kirche, beten den Rosen­kranz mit uns, kommen in die Kapelle. Es ist wun­der­schön zu spüren, wie lebendig die frohe Bot­schaft unter den Mensch hier ist.

So weit für heute, salamat (danke).

Vielen Dank für Eure Unter­stüt­zung.

Liebe Grüsse,

Jeanne


Das Viertel Willkommen Jeanne! Die Gemeinschaft und einige Freunde Rosenkranz
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