• 16. April 2013
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Ein Kindercamp in Guayabo

Die Kinder in Guayabo

Von Leo J., Frei­wil­liger in Peru

Am Wochen­ende 22.-24. Februar haben wir ein Kin­der­camp in Gua­yabo (Haus der Ordens­schwes­tern) für sech­zehn Kinder aus unserem Viertel orga­ni­siert. Dazu haben wir vorher eine Pol­lada orga­ni­siert: Wir haben fünf­zehn Hühner, viele Kar­tof­feln, Zutaten für eine Soße, Kohl­rabi und Plas­tik­tel­ler­chen gekauft, und haben ins­ge­samt sechzig Por­tionen mit einem köst­li­chen Hähn­chen­menü zube­reitet. Diese haben wir dann zu je zehn Soles ver­kauft und ins­ge­samt also ca. 300 Soles gewonnen. Dies ist eine hier übliche Art Geld zu ver­dienen wenn jemand aus einem wich­tigen Grund die Unter­stüt­zung seiner Nach­barn und Freunde braucht (z.B. bei einer Krank­heit). Der unver­hält­nis­mäßig hohe Preis von zehn Soles für ein Mit­tagessen ist nur aus Soli­da­rität mög­lich.

Dann haben die Kinder die mit­fahren wollten (und die die Mög­lich­keiten haben) jedes zehn Soles bezahlt. An einem schönen Frei­tagnach­mittag haben wir uns alle vor unserem Haus getroffen, und sind zusammen mit dem Bulli eines Freundes einmal quer durch Lima in den Süden, nach Gua­yabo gefahren. Nach der Ankunft haben wir die Zelte im Garten bezogen und haben danach ein biss­chen etwas gegessen. Im Anschluss ist ein Priester gekommen und wir haben zusammen die hei­lige Messe gefeiert. Bei dem Camp haben wir ins­ge­samt viel zusammen gespielt, gesungen, getanzt, gegessen, gekocht, abge­wa­schen, gebetet (sogar eine Anbe­tung am Samstag abend), gelernt sich die Zähne zu putzen, Fuß­ball, ein Lager­feuer mit Hot­dogs und Mars­h­mal­lows gemacht und vieles mehr, sodass am Sonntag morgen (nach der hl. Messe in der wun­der­schönen Dorf­kirche in Gua­yabo in einer Grotte – wie in Lourdes) alle glück­lich und tod­müde in die Ense­nada zurück­ge­kehrt sind.

Viele Eltern sind gekommen um ihre Kinder in Emp­fang zu nehmen und voller Staunen konnten wir sehen, wie die Eltern ihre Kinder vemisst hatten. Aller­dings gab es auch einige Kinder, die ganz alleine waren, wäh­rend die anderen Kinder von ihren Eltern in die Arme genommen wurden: z.B. Daniel, ein Kind, das wäh­rend des Camps beson­ders viele Schwie­rig­keiten gemacht hatte, die anderen Kinder gehauen, nie zuge­hört und nie das gemacht hatte was er sollte und als Folge auch von den anderen Kin­dern nicht beson­ders gemocht wurde, musste warten, bis alle anderen mit ihren Eltern oder alleine nach Hause gegangen waren um dann von Aymeric und mir in sein Haus zurück­zu­kehren (ein biss­chen weiter weg, oben auf dem Felsen) begleitet zu werden. Als wir ange­kommen waren, ist er durch ein Loch ins Haus ein­ge­stiegen und hat uns dann die Tür auf­ge­macht. Dort saß seine Mutter mit ihrem Baby, und schaute weder uns noch Daniel an, wobei sie Aymeric und mich wenigs­tens begrüßte. Es war echt traurig zu sehen, wie wenig Liebe, oder zumin­dest Auf­merk­sam­keit er in seiner Familie erfährt. Inzwi­schen haben wir ihn mehr­mals besucht und abge­holt um ihn zur „Per­ma­nen­cia“ mit­zu­nehmen, da er alleine nicht so weit gehen darf. Er ist ein ganz beson­deres Kind, das natür­lich Schwie­rig­keiten mit Allen hat (beson­ders in der Schule), aber wirk­lich einen rich­tigen lie­be­vollen Cha­rakter hat und auch sehr ein­fach und ehr­lich ist. Zum Bei­spiel hat er mich gefragt, warum Rachel (meine Mit­schwester) so hübsch ist. Die Echt­heit und Unschul­dig­keit dieses „terré­moto“ berührt mich.

Euer Leo


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