• 10. November 2016
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[Alessia in Peru] Ausschnitte aus dem 1. Patenbrief

Liebe Paten,

seit dem Abend des 29. Augustes bin ich nun in Peru. Als ich am Flug­hafen in Lima ankam, wurde ich sofort von den beiden anderen Frei­wil­ligen, Ewa aus Polen und Rachel aus der USA, sowie Her­mana Alex­andra, einer Schwester von “Of­fenes Herz” herz­lich emp­fangen. Als wir dann in unser Viertel “En­se­nada” gefahren sind, erlebte ich sofort den unglaub­li­chen Ver­kehr in Lima. Es fahren unzäh­lige Busse und Taxis in einer Geschwin­dig­keit und einem Fahr­stil, dass es mich jedes Mal wun­dert, dass keine Unfälle pas­sieren. Den­noch ist es in den Bussen sehr amüsant, da ständig Musik zu hören ist. Im Gegen­satz dazu wirkt la Ense­nada sehr ruhig, obwohl dies auch nicht ganz zutrifft. Zunächst erscheint das Viertel etwas gewöh­nungs­be­dürftig, durch den Müll, der zwi­schen den Straßen liegt sowie die vielen Busse, die unglaub­lich viel Abgase aus­stoßen. Den­noch, es besitzt eine ganz außer­ge­wöhn­liche Schön­heit. Oft scheint die Sonne auf die Berge, in denen die kleinen, bunten Häuser, stehen. Auch die meist belebten Straßen wirken unglaub­lich ein­la­dend. Wenn man genauer hin­schaut, sieht man sogar, dass an ganz wenigen Stellen, inmitten der Wüs­ten­land­schaft, plötz­lich ein­zelne Blumen in einer kräf­tigen Farbe auf­tau­chen.

Beson­ders beein­dru­ckend ist auch der Markt, der bereits um fünf Uhr mor­gens beginnt und nur wenige Meter von unserem Haus ent­fernt ist. Dort werden unzäh­lige ver­schie­dene Gemüse- und Obst­sorten ver­kauft, die ich zum größten Teil nicht einmal kannte. Die Freude der Peruaner über jedes ein­zelne Stück, spürt man bereits bei jedem Ein­kauf. Die Händler erzählen, mit einem vor Freude stahl­endem Lächeln, nicht nur, wie bei­spiels­weise das jewei­lige Gemüse heißt, son­dern auch sofort, wie man es am besten zube­reitet und wie gut es schmeckt. Jedes Mal sind sie unglaub­lich freund­lich und möchten uns immer etwas dazu­schenken. Das Ein­zige, das mich sehr erschro­cken hat, waren die Hühner, die hier am ganzen Stück mit ein­schließ­lich des Kopfes an vielen Ständen zu finden sind.

In meiner bis­he­rigen noch sehr kurzen Zeit habe ich die Peruaner als eine unglaub­lich herz­liche und lie­be­volle, aber auch sehr starke Gesell­schaft emp­funden. Sie arbeiten sehr viel, auch an Zeiten, in denen es ihnen nicht beson­ders gut geht. Señora Jesus bei­spiels­weise, eine Freundin von uns, die wir regel­mäßig besu­chen, arbeitet als Schnei­derin, obwohl sie Par­kinson hat. Auch unsere Nach­barin Ali hilft ihrem Mann Adrian beim Ver­kauf von Lebens­mit­teln, trotz dass sie hoch­schwanger ist und in wenigen Wochen ihr Kind erwartet. Umso unver­ständ­li­cher, aber auch bewun­derns­werter ist es, mit welch einer Freude die Peruaner ihre Arbeit erle­digen. Selbst die­je­nigen, die in den kleinen Bussen, den soge­nannten “Combis” arbeiten, bleiben stets freund­lich und öffnen auch noch wäh­rend der Fahrt die Tür, wenn jemand noch gerne ein­steigen möchte. Den­noch erstaunt es mich jedes Mal wieder, wie viele Men­schen in diese kleinen Fahr­zeuge passen. Platz­angst darf man jeden­falls nicht haben.

In der Nähe von Gua­yabo, dem Ort, an dem die Schwes­tern wohnen, befindet sich ein Kin­der­heim, das wir regel­mäßig besu­chen. Äußer­lich betrachtet ist es nicht beson­ders schön und sehr kahl. Aber die Kinder dort sind wun­der­volle Schätze. Sie sind noch sehr klein und sobald man ein­tritt, laufen oder krab­beln sie auf die jewei­lige Person zu, um die kom­plette Auf­mer­sam­keit von ihr zu bekommen. Es ist ein Ort, an dem das Bedürfnis des Men­schen zur Liebe sehr deut­lich erkennbar ist. Ich selbst kann mich jedes mal nur sehr schwer von den Kin­dern trennen.

In der bis­he­rigen Zeit habe ich schon einige Freunde von “Of­fenes Herz” ken­nen­ge­lernt. Eine sehr gute und lange Freundin ist Gladys. Sie ist unglaub­lich herz­lich und ihr Lachen steckt an. Eigent­lich hat sie viele Schmerzen. Sie kann nicht mehr richtig laufen und sie muss drei Mal in der Woche zur Dia­lyse. Das Kran­ken­haus ist jedoch unge­fähr zwei Stunden ent­fernt. Aber sie strahlt jeden Tag vor Freude und ist für alles dankbar. Sie kommt uns gerne des öfteren besu­chen. Als ich das erste Mal mit Ewa bei ihr zu Hause war, hat sie uns ihre Meer­schwein­chen gezeigt und fand es sehr amüsant, meine Reak­tion zu sehen, als sie erklärte, dass dies nicht ihre Haus­tiere sind, son­dern sie in Peru gegessen werden. Den­noch isst sie diese nicht selbst, son­dern ver­kauft sie, wenn das Geld nicht aus­reicht.

Sehr beein­dru­ckend ist eben­falls Maribel. Vor sechs Monaten ist ihre Mutter gestorben und seitdem geht es ihrer Oma schlecht. Sie ist krank und auch oft ver­wirrt, so dass sie kaum noch spricht und bei allen Hand­lungen auf die Hilfe anderer ange­wiesen ist. Maribel pflegt sie mit unend­li­cher Liebe. Sie hat Angst, dass ihre Oma eben­falls stirbt. Ihre Oma sei ihr Leben, sagte sie uns sogar. Aber sie besitzt einen tiefen Glauben und ver­traut auf Gottes Ent­schei­dungen.

Ich bedanke mich ganz herz­lich bei euch, dass ihr es mir ermög­licht habt, hier zu sein und das alles zu erleben. Ich bete für euch und bitte euch um das Gebet für alle unsere Freunde und Ein­wohner in unserem Viertel.

Liebe Grüsse,

Alessia

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