• 10. November 2016
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Roland in Argentinien: Auszüge aus dem ersten Patenbrief

Roland mit Ramon, Santa Fe, Argentinien, 2008

Nach einem Monat in Santa Fe teilt Roland, Frei­wil­liger im Jahre 2008, seine erste Ent­de­ckungen in Argen­ti­nien mit.

“Die Kin­der­freunde sind vor allem anderen Got­tes­su­cher” P. Thierry de Roucy

Liebe Paten, liebe Ver­wandte, liebe Freunde und Bekannte!

Nun bin ich schon vier Wochen in Santa Fe (Argen­ti­nien) und möchte Euch von meinen ersten Ein­drücken und Erleb­nissen berichten. Zuge­geben fällt mir das gerade etwas schwer, da ich gar nicht recht weiß, wo ich über­haupt anfangen soll. Hier ist alles anders: die Sprache, die Land­schaft, das Klima, die Kultur, die Men­schen… Einer der ersten Argen­ti­nier, die ich hier traf, am Flug­hafen von Buenos Aires, sagte mir ganz simpel aber tref­fend: “Das ist nicht Europa!” Nach sech­zehn Stunden Flug von Neapel (wo ich die Vor­be­rei­tung auf meine Mis­sion hatte) nach Buenos Aires, war ich am 05. Sep­tember in Argen­ti­nien ange­kommen.

Am Flug­hafen wurde ich von Denis und Isa­bell (Mis­sio­nare in Buenos Aires) mit Mate emp­fangen. Mate ist hier quasi das Natio­nal­ge­tränk. Es ist ein Tee, der in einem kleinen Kürbis oder sonst einem Gefäß, mit heißem Wasser über­brüht, durch eine Art Stroh­halm getrunken wird. Je nach dem mit oder ohne Zucker. Mate ist ein Gemein­schafts­ge­tränk und geht immer reih um. Überall sieht man die Men­schen mit Ther­mo­s­kannen und sogar die Polizei ser­viert ihren Mate auf der Motor­haube des Strei­fen­wa­gens...

Das Points-Cœur Haus “Beata Laura Vicunia” in Santa Fe besteht aus zwei kleinen Häu­sern, die durch einen Hof mitein­ander ver­bunden sind. Im hin­teren Haus habe ich mein Zimmer mit einem kleinen Bad und dem Ton-Ate­lier. Alles ist äußerst sch­licht und es gibt kein warmes, flie­ßendes Wasser. Das braucht man hier aller­dings auch nicht sehr dring­lich, denn obwohl vor drei Tagen erst der Früh­ling begonnen hat, ist das Wetter eher mit einem heißen Tag im Juni bei uns ver­gleichbar. Der Früh­ling ist hier beson­ders schön und überall blühen mir unbe­kannte Bäume in kräf­tigen Farben.

"Das Gebet nährt die Herzen.
Man sagt uns: “Beten, warum?”
Ich ant­worte: “Essen, warum?
Sich des Gebetes ent­halten,
ist das nicht gen­auso selbst­mör­de­risch
wie der Hun­ger­streik?!"
P. Thierry de Roucy

Wir sind Mis­sio­nare und daher gehört beson­ders auch das Gebet zu unserem Alltag. Wir beginnen den Tag mit der Laudes in unserer Kapelle und beschliessen ihn auch hier mit dem Stun­den­gebet. Aus­serdem halten wir eine Stunde Anbe­tung am Tag, beten den Rosen­kranz und besu­chen täg­lich die hei­lige Messe. Das klingt nach ziem­lich viel, aber ich bin sehr dankbar für diese Zeit des Gebetes, denn das Gebet ist der Ort des Frie­dens.

In unserem Viertel gibt es sehr viel Unfriede, Haß und Gewalt. Jeden Tag kommen Men­schen bei uns vorbei, ein­fach so um „Hallo“ zu sagen, oft aber auch um sich jemandem anzu­ver­trauen. Sie berichten was ihnen schlimmes wider­fährt oder was sie schlimmes getan haben, das sie nun quält! Da ist ein trau­riger Jugend­li­cher der Drogen nimmt und kommt um zu sagen, dass ihn dieses Leben mit Drogen nicht glück­lich macht...

Und bei all dem mensch­li­chen Elend in unserem Viertel, wird das Gebet sehr schnell zum täg­li­chen Bedürfnis. Wenn man alles alleine aus sich heraus schaffen möchte, stößt man sehr schnell an seine Grenzen.

Ganz viele Grüße aus Santa Fe!
Ciao con un beso!
Im Gebet ver­bunden!

Euer Roland

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